Welt MS Tag: Multiple Sklerose sichtbar machen

Welt MS Tag: Multiple Sklerose sichtbar machen Hauptabendfilm „Balanceakt“ und Ausstellung „Sichtbarwerden“ im AKH Wien am 29. Mai 2019

Wien (OTS)Dass jemand an Multipler Sklerose (MS) erkrankt ist, kann man sehen – oder auch nicht. Zu MS gehört nämlich auch eine Reihe von Symptomen, die für Außenstehende nicht erkennbar sind. Für die betroffenen PatientInnen sind sie aber oft mindestens so belastend wie die offensichtlichen. Das Umfeld ahnt davon oft wenig bis gar nichts. Am 29. Mai, dem Vortag des Welt MS Tages, wird die Krankheit für einen Tag ins Rampenlicht gerückt, dieses Jahr mit Fokus auf den „versteckten“ Aspekt. Der ORF strahlt dazu den berührenden Film „Balanceakt“ aus, der von Mona / Tivoli Film für ZDF und ORF produziert wurde. Außerdem findet im Wiener AKH eine Ausstellung von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern statt, die sich ebenfalls diesem Thema widmen.

In Österreich gibt es etwa 13.500 MS-Betroffene. Sie müssen nicht nur mit ihrer Krankheit zurechtkommen, sondern kämpfen auch immer wieder mit Stigmatisierungen, Einschränkungen im Job oder Jobverlust, finanziellen Problemen oder Unverständnis im näheren oder weiteren Umfeld.

Priv.-Doz. Dr. Jörg Kraus (ÖMSG) und Karin Krainz-Kabas (MS-Gesellschaft Wien)
Priv.-Doz. Dr. Jörg Kraus (ÖMSG) und Karin Krainz-Kabas (MS-Gesellschaft Wien)
Die meisten Leute verbinden mit MS Einschränkungen beim Gehen bis hin zur Lähmung, aber an diese Symptome denkt kaum jemand. Dabei sind sie für die Betroffenen extrem belastend. Daher ist es wichtig, auch darüber aufzuklären. Wenn das familiäre und, falls möglich, auch das berufliche Umfeld Bescheid wissen, können sie auch viel besser reagieren und unterstützen
Priv.-Doz. Dr. Jörg Kraus, Neurologe aus Zell am See und Präsident der Österreichischen Multiple Sklerose Gesellschaft (ÖMSG)

Balanceakt für die Betroffenen und ihr Umfeld

Im Familiendrama "Balanceakt" bekommt die Architektin Maria, dargestellt von Julia Koschitz, die Diagnose Multiple Sklerose mitgeteilt. Ihr Familienleben gerät nun ordentlich durcheinander. (C) ZDF & Petro Domenigg/Filmstills.at KG
Im Familiendrama „Balanceakt“ bekommt die Architektin Maria, dargestellt von Julia Koschitz, die Diagnose Multiple Sklerose mitgeteilt. Ihr Familienleben gerät nun ordentlich durcheinander. (C) ZDF & Petro Domenigg/Filmstills.at KG

Der ORF zeigt dazu am 29. Mai im Hauptabendprogramm den Film „Balanceakt“, der der Produzentin aufgrund eines MS-Falles in ihrem Umfeld auch ein persönliches Anliegen war. „Ziel war es, die Krankheit in all ihren Facetten einem breiteren Publikum nahezubringen und nichts zu beschönigen. Gleichzeitig wollten wir zeigen, dass man trotz MS das Leben bejahen kann, ohne den Film damit zu verkitschen“, erläutert Agnes Pluch, Drehbuchautorin von „Balanceakt“. „Das Leben mit MS ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Balanceakt“, weiß Priv.-Doz. Dr. Jörg Kraus, Neurologe aus Zell am See und Präsident der Österreichischen Multiple Sklerose Gesellschaft (ÖMSG). „Der Film zeigt sehr realistisch, worum es bei dieser Krankheit geht: mit allen Tiefen, aber auch allen Höhen. Die Zuschauer werden hinterher ein viel besseres Bild von MS haben. Und genau darauf kommt es an, denn dann werden sie MS-Betroffenen zukünftig auch mehr Verständnis entgegenbringen.“

Im Film sieht man, wie eine junge Frau – erfolgreich im Job, mit glücklicher Familie – aus heiterem Himmel mit der Diagnose MS konfrontiert wird und wie sich die Krankheit in der Folge auf ihr Leben und das ihrer Angehörigen auswirkt. „Bei meinen Recherchen hat sich gezeigt, dass sich ein ganzes Familiengefüge durch MS verändern kann“, so die Drehbuchautorin. „Auch das wollten wir deutlich machen.“ Die Familie der MS-Betroffenen Marie im Film ist lange mit der neuen Situation überfordert. Ihr Vater zieht sich zurück, andere Familienmitglieder reagieren mit übertriebener Fürsorge. Am Ende stellt sich heraus: Alle müssen sich umstellen, aber das Familienleben kann weiter funktionieren.

Unsichtbares sichtbar machen

Auch unsichtbare Symptome werden im Film thematisiert: Fatigue (starke körperliche und geistige Müdigkeit), Harninkontinenz oder sexuelle Funktionsstörungen. „Die meisten Leute verbinden mit MS Einschränkungen beim Gehen bis hin zur Lähmung, aber an diese Symptome denkt kaum jemand. Dabei sind sie für die Betroffenen extrem belastend. Daher ist es wichtig, auch darüber aufzuklären. Wenn das familiäre und, falls möglich, auch das berufliche Umfeld Bescheid wissen, können sie auch viel besser reagieren und unterstützen“, betont Kraus. „Dann kommt auch der oder die Betroffene mit der Krankheit gut zurecht.“ Mit der Krankheit umzugehen lernt auch Marie und sagt irgendwann: „Ich lebe weiter. Nicht trotz der Krankheit, sondern mit ihr.“

Ausstellung „#sichtbarwerden“

Worum es bei MS geht, zeigt auch die Ausstellung #sichtbarwerden im Foyer des Wiener AKH, die gemeinsam von der Österreichischen MS-Gesellschaft und der Multiple Sklerose Gesellschaft Wien veranstaltet wird. Künstlerinnen und Künstler zeigen dort ihre Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Multipler Sklerose. Ab 14.30 Uhr wird im MS-Zentrum Wien zum Kennenlernen und zum persönlichen Austausch geladen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Filmtipp:

Balanceakt (Deutschland / Österreich, 2019)
MI 29. Mai 2019, 20:15 Uhr, ORF 2

Mit Julia Koschitz, Franziska Weisz, David Rott, Jeremy Miliker, Ulli Maier, Peter Lerchbaumer, Stefan Pohl
Regie: Vivian Naefe
Drehbuch: Agnes Pluch

Ausstellungshinweis:

Ausstellung #SICHTBARWERDEN
11:00 bis 16:00 Uhr im AKH Wien, Währinger Gürtel 18–20, 1090 Wien, Foyer

Get Together
14:30 bis 18:00 Uhr, MS-Zentrum, Hernalser Hauptstraße 15–17, 1170 Wien

Hauptabendfilm „Balanceakt“ und Ausstellung „Sichtbarwerden“ im AKH Wien

 

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