Mark Knietsch: Darf ich vorstellen, ich bin MS.

Darf ich vorstellen, ich bin MS. Mark Knietsch macht sich Gedanken zu Multipler Sklerose

Mark Knietsch möchte mit seinem Text einen Beitrag dazu leisten, Multiple Sklerose begreifbar und verständlich zu machen.

Hallo, mein Name ist MS. Nein, das bedeutet nicht Muskelschwund, auch wenn es auf Grund des Kürzels naheliegend wäre. Nein, ich heiße „Multiple Sklerose“ und werde lateinisch auch „Encephalomyelitis Disseminata“ genannt.

Ich bin eine Autoimmunerkrankung, was bedeutet, dass ich das Immunsystem dazu bringe, sich selbst anzugreifen. Meine Soldaten sind die T-Zellen und B-Zellen, welche normalerweise dafür sorgen, den Körper zu heilen. Ich hab diese Zellen zu meinen Söldnern gemacht und lasse sie fleißig dein Immunsystem attackieren.

Warum das so ist, würden eure Fachärzte gerne herausfinden, aber so einfach mache ich es ihnen nicht. Viel zu gerne habe ich meinen Spaß dabei, die Schutzschicht eurer Nervenbahnen zu zerstören, Entzündungen im Gehirn zu provozieren und dabei zuzusehen, wie euch die Ausfallerscheinungen in all ihren Facetten und Ausmaßen das Leben schwer machen.

Du kannst vorübergehend auf einem Auge nichts sehen. Eventuell kannst Du eine Weile nicht mehr laufen, oder einen Arm nicht nutzen. Möglicherweise funktioniert das Wasserlassen nicht mehr so gut.

Du könntest unheimliche und unerklärliche Schmerzen erleiden. Abnorme Müdigkeit könnte dich heimsuchen. Ich lasse mir da schon einiges einfallen. Man könnte sagen „I like to entertain you!“

Ich bin kein all zu großer Fan von Medikamenten, welche mich in meinem Handeln einschränken sollen. Auch alternative Heilmethoden finde ich doof. Trotzdem mache ich immer weiter. Manchmal offensichtlich und gut wahrnehmbar und manchmal im verborgenen.

Das geniale daran, man kann mein Handeln und die daraus entstehenden Probleme nur sehr schwer erklären und stößt oft auf Unverständnis. Sehr oft werden den Betroffenen auch Ausreden unterstellt und sie als Lügner betitelt. Ich lache mir immer ins Fäustchen und habe meinen Spaß daran.

Durch mein Wirken nehmen auch soziale Kontakte ab und zwingen durch Müdigkeit, Schmerzen, Schwindel und diverse andere Probleme dazu, Zuhause zu bleiben. Dies bleibt natürlich auch für die Psyche nicht ohne Folgen.

Was ich aber unheimlich blöd finde, ist so eine ekelhafte positive Einstellung und diese nervige Lebensfreude. Widerlich! Das macht mir das Leben schwer und sorgt dafür, dass ich mich nicht so ungehemmt austoben und wohlfühlen kann.

Aber eins ist sicher, du wirst mich nie los!

Marks Facebook-Seite Wellenleben

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