Silke Lutz: Gedanken zum Welt MS Tag 2019

Das diesjährige Motto #sichtbarwerden passt genau zu mir. In den Bereichen Alltag, Familie, Freundschaften und Freizeit machen sich die Begleitsymptome der Multiple Sklerose bemerkbar.

Ständige Ängste begleiten mich als MS-Betroffene nach Erhalt der Diagnose. Am Anfang fürchtete ich mich davor: „Was mache ich, wenn ich einen Schub bekomme? Wie wird sich der Verlauf der MS entwickeln?“

Die Welt ist ganz schön ins Schwanken geraten.

Fatigue schränkt meine körperliche und psychische Belastbarkeit ein. Sie tritt plötzlich und ohne vorangegangene Anstrengung auf. Dies beeinträchtigt mein Leben, indem ich mehr Ruhezeiten
benötige. Insbesondere ist es für eine Vielzahl von Betroffenen eine Herausforderung, der Familie, Angehörigen, Verwandten und Freunden zu erklären, warum sie bestimmte Termine
verschieben oder vergessen. Ich höre mir an „Stell dich doch nicht so an! Hast du zu wenig geschlafen?“ Wenn es nur so einfach wäre.

Meine Antriebslosigkeit fühlt sich an, wie der Anlasser eines Autos, der stottert und nur schwer in die Gänge kommt. Langsam, mit einer bleiernen Müdigkeit, beginne ich mit den alltäglichen
Aufgaben, die länger dauern als früher. Ich versuche, meinen Tagesablauf anzupassen, kleine Helfer, soziale Netzwerke unterstützen mich dabei.

Je mehr ich in meinen Körper reinschaue, desto mehr finde ich über mich heraus. Als hoch sensibler Mensch besitze ich ein feines Nervensystem, bin viel früher gesättigt als normal Sensible. Heute gehe ich offen damit um, stehe dazu, wenn ich mir eine Auszeit gönne, um die Eindrücke des Tages zu verarbeiten.

Ganz oben auf der Liste stand bei mir „Wwas kann ich tun, damit es mir gut geht?“ Dazu gehört, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Nachdem ich die falschen Freunde aussortiert hatte, lernte ich neue Menschen kennen, die mich so nehmen wie ich bin. Um Jammerpilger und Energiefresser mache ich einen großen Bogen.

Als letztes möchte ich über Depressionen sprechen, die in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema sind. Viele Menschen mit und ohne Multiple Sklerose – auch meine Wenigkeit – können davon ein Lied singen. Wer offen mit Depressionen umgeht, ist häufig Diskriminierung im Alltag und in der Öffentlichkeit ausgesetzt.

Bis heute kämpfe ich um Anerkennung und Teilhabe in der Gesellschaft.

 

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